Body Sensation

Sensation als Sinnlichkeit. Sensation als Berührbarkeit und Berührtheit. Sensation in der Lust. Sensation als Fühlen. Sensation im vergänglichen Augenblick.
In der Ausstellung der Galerie Wolfbach hat der Foto-Künstler Thomas Rehsteiner diese Körper Sensationen eingefangen. Lust, Begehren und die natürliche Schönheit des Leiblichen, unter den Poren pulsierende Körperlichkeit, begleiten den Betrachter als Leitmotiv von "flüsternden Szenen" und überlebensgrossen männlichen und weiblichen Torsi zu stark kontrastierten Figuren, die nachdenklich sinnen und Körperfragmenten und -landschaften, die Sinnlichkeit und Sehnsucht auslösen.

 
Surfacevalue XVIII

 
Surfacevalue XX

 Das klassisch dokumentierende Porträt ist der Einstieg zu einer immer tiefer forschenden Auseinandersetzung Rehsteiners mit seinem Gegenüber, die zum Ziel hat, das Innere (Geistige) durch den Körper sichtbar zu machen. Rehsteiner bewegt sich mit starkem Natur- und Kunstlichteffekt weg vom darstellenden hin zum sich selbst betrachtenden Porträt. Die Geschlechtszugehörigkeit wird Nebensache, die Fotografierten werden androgyn. Bin ich von etwas fasziniert, was mich bei nächstem Hinschauen brüskieren könnte? Gesichter, nackte Körper und Körperteile haben eine eigene Sprache. Das Schwarz-weisse nimmt ihnen das Fleischige und steigert, unsere Phantasie anregend, das Erotische und Sexuelle. Wenn Rehsteiner das für ihn noch Sichtbare auf den Film transponiert, geraten wir ins Spannungsfeld zwischen Sicht-, vermeintlich Sichtbarem und Unsichtbarem. Während der fotografierte Jüngling oder Mann, die Frau oder das Kind stets ihre Integrität bewahren, werden wir zwischen Realität und Phantasie in Atem gehalten.

Obwohl gelegentlich bis zur Unkenntlichkeit zerlegt, lässt der Künstler die Menschen, die ihm vis-à-vis stehen, sitzen, knien oder liegen, nie zum Objekt verkommen. Er schält vielmehr das Entscheidende, das Innere dieser Begegnung, dieses gegenseitig sich Ausliefern sowohl vor wie hinter der Kamera, heraus auf die vibrierende Oberfläche. Jede Bildkomposition ist ein einmaliger Augenblick, eine Ein-Sicht. Die erstaunliche Wirkung wird verstärkt im Wissen darum, dass Rehsteiner kein Werk beschneidet oder in der Dunkelkammer nachbehandelt. Sich auf Rehsteiners Arbeiten einzulassen, hält gefangen, da die Fotografien die dem Medium eigene Unmittelbarkeit besitzen.

 

Galerie Wolfbach, Kantonsschulstrasse 3, 8001 Zürich: 28. Mai - 16. Juli 1999, geöffnet Mo - Fr 8.30 - 21.30 Uhr, Sa 8.30 - 16.00 Uhr

Zürich, April / Mai 1999